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Die Autoren

Bernhard Hennen

Meine erste Reise nach Aventurien begann vor mehr als drei Jahrzehnten, und zwar mit der Lektüre des SPD-Magazins Vorwärts. Dort fand ich einen Artikel, der so ganz anders war als die üblichen politischen Texte. Es war eine ausführliche Besprechung zu einer neuen Generation von Spielen, den Rollenspielen. Besprochen wurde die erste Spielbox von Das Schwarze Auge.

Bernhard Hennen

Ich war so begeistert, dass ich das Spiel am nächsten Tag beim örtlichen Buchhändler kaufte und noch vor Ende der Woche mein erstes Abenteuer mit meinem jüngeren Bruder und dessen Freunden begann. Das war der Beginn einer Liebesgeschichte, die noch immer andauert. Natürlich habe ich bald meine ersten eigenen Abenteuergeschichten entwickelt und gespielt. Ich wurde Redakteur in der Rollenspielfachzeitschrift ZauberZeit (heute Nautilus) und lernte auf diesem Wege Ulrich Kiesow kennen, den Schöpfer des Spiels Das Schwarze Auge und der fantastischen Welt Aventurien, jenes Ortes, an dem die Rollenspielabenteuer angesiedelt sind. Nach einem langen Interview habe ich ihm von einigen eigenen Ideen für Abenteuer erzählt und ihn überredet, sich einmal einige Texte anzusehen. Dies war die Geburtsstunde der Phileasson-Kampagne. Es sollten zwölf miteinander verbundene Abenteuer werden, die einmal rund um den Kontinent Aventurien und darüber hinaus führten. Viele wenig bekannte Regionen Aventuriens sollten zum ersten Mal zum Schauplatz von Abenteuern werden und jede der Geschichten sollte ein neues Hauptthema haben. Etwa die Entdeckungsreise ins ewige Eis (Gen Norden/ als Roman: Nordwärts), die Erforschung der Geheimnisse um eine untergegangene Kultur in einem riesigen Dungeon (Der Himmelsturm/ als Roman: Himmelsturm) oder einen Viehtrieb begleiten und sich dabei der tödlichen Gefahr durch eine rätselhafte Seuche stellen (Der Unglückswolf/ als Roman: Die Wölfin).

Mehr als zweieinhalb Jahre dauerten die Testspiele zu der Kampagne. Wöchentlich traf ich mich mit meinen Freunden in meinem 13-Quadratmeter-WG-Zimmer, wo wir auf dem Boden hockten und in unserer Fantasie Dschungel und Wüsten durchquerten und fremde Ozeane und versunkene Städte erforschten. Auch nach dem Abschluss der Phileasson-Kampagne wurde weiter gespielt. Fast zwei Jahrzehnte lang. Dann gab es eine Pause, doch inzwischen haben meine Kinder den unvergleichlichen Charme der Entdeckungsreisen vom Küchentisch aus schätzen gelernt und neue Abenteuer haben begonnen.

Ganz sicher haben mich die Geschichten um Phileasson geprägt. Viel später, als ich meine Elfen-Romane geschrieben habe, haben sich dort Elemente dieser frühen Geschichten eingeschlichen. Bis hin zu einer Prinzessin, der ich den Namen einer Geweihten (Priesterin) aus der Phileasson-Kampagne gab.

Es war lange mein Wunsch, die alten Geschichten als Romane noch einmal neu zu erzählen. Aber es sollte ein frischer Wind in die Abenteuer kommen und der beste Weg, dies zu erreichen, war, eine neue Stimme für das Projekt zu gewinnen. Diese Stimme sollte Robert Corvus sein, ein Freund und Rollenspieler, der seit langen Jahren Aventurien kannte und bereits einige Romane verfasst hatte, die in der Welt des Schwarzen Auges spielten. Gemeinsam haben wir an neuen Inhalten getüftelt, die die alten Abenteuer ergänzen sollten und entschieden, dass Beorn, der in der Rollenspielkampagne vor allem der Gegenspieler Phileassons war, in den Romanen ein eigenes Gesicht bekommen sollte und viele Seiten, auf denen seine Abenteuer erzählt werden.


Robert Corvus

Das schwarze Auge gehörte zu meinen ersten Kontakten mit der Fantasy. Gemeinsam mit meinen Schulkameraden erkundete ich so manches Verlies, befreite Silvana und bestand Abenteuer.

Robert Corvus

Die Romanreihe zu Das schwarze Auge stand am Beginn meiner Schriftstellerkarriere, die ich unter dem Pseudonym Bernard Craw startete. Als Autor erkundete ich eine Ruine in den Rotaugensümpfen und das von dämonischen Mächten geknechtete Oron, ich begleitete die tapferen Isenborns über mehrere Generationen und geriet in die Intrigen zwischen den Streittürmen Taladurs. Der Reichtum an liebevoll gestalteten Details zeichnet für mich die erfolgreichste Fantasywelt des deutschen Sprachraums aus – und Die Phileasson-Saga steht mit ihrem Grundthema der Reise durch viele Länder und der Erkundung uralter, teils vormenschlicher Geheimnisse für diese Vielfalt.

Ich bin dankbar für die Gelegenheit, mit der Romanadaption der Phileasson-Saga diese wundervolle Welt einem noch breiteren Publikum öffnen zu können. Zudem packt mich bei der Lektüre des Quellenmaterials immer wieder die schiere Lust am Abenteuer, an der ganz großen Geschichte, der epischen Erzählung. Und je länger ich an diesem Projekt arbeite, desto stärker tritt ein weiterer Faktor hinzu: die Figuren, die danach verlangen, dass ihre Erlebnisse erzählt werden. Mit jeder Seite lerne ich sie besser kennen, den erfahrenen Drachenführer und gerühmten Entdecker, aber auch die Waldmenschenfrau mit ihrer seltsamen Verbundenheit zu Spinnen oder die uralte Elfe, die auf einer vereisten Insel darauf wartet, dass ihr Schicksal sie einholt. Ein himmelhoher Turm, ein Drachenboot, das sturmgepeitschten Wellen trotzt, Artefakte einer vergangenen Hochkultur, bitteres Unrecht und Heldenmut – all das und viel mehr bietet Die Phileasson-Saga. Wenn ein wenig davon den Weg von den Träumen der Autoren in jene der Leser findet, stehen uns allen viele Stunden mit Phileasson, Beorn und seinen Gefährten bevor, auf die wir uns freuen können.