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Band VI

Wo die See, die weder Meer noch Land ist, Schiffe hortet
zwei alte Meister gefangen in des herrenlosen Sklaven Netz.
Schärft der geschuppten Herrn der Meere Waffen gegen des Kelches Räuber,
auf dass der Fenvar Erbe Schlüssel zurückkehre in die verlorene Stadt.

Totenmeer

Spiegel-Bestseller


Wie ein lebendes Wesen mit bösem Herzen verschlingt das Sargassomeer Schiffe. Ist es wirklich nur ein riesiges Tangfeld, in dem sich alles verfängt? Seit Urzeiten hält es Segler und Galeeren, Kauffahrer und Kriegsschiffe fest – und birgt so manches dunkle Geheimnis.

Phileasson VI: Totenmeer

Hierhin zieht Phileasson und Beorn die nächste Aufgabe ihrer Wettfahrt. Von zwei Meistern ist in der Prophezeiung die Rede, von einem herrenlosen Sklaven und einem Kelch, den es zu erbeuten gilt. Wird sich der größte Plünderfahrer Thorwals durchsetzen, wenn es darum geht, Beute zu machen? Oder liegt der Vorteil in diesem unbekannten und sich stets verändernden Land beim Entdecker?

Die Drachenführer sind nicht die Einzigen, die das Artefakt begehren. Sie geraten in einen uralten Streit. Wem ist in diesem von ruhelosen Geistern beherrschten Tangfeld zu trauen? Und wie ist es um die Loyalität in den eigenen Reihen bestellt?

Eines jedenfalls steht von Beginn an fest: Nur einer von beiden wird am Ende den Kelch sein Eigen nennen – und damit dem Titel König der Meere einen Schritt näher gekommen sein.


TOTENMEER-Leserunde

Die Totenmeer-Leserunde geriet am 16. November 2018 in den Sog des riesigen Tangfeldes.


Aus dem Schaffensprozess

Bernhard Hennen

Obwohl ich nun schon 25 Jahre als Schriftsteller arbeite, war Totenmeer doch in manchen Aspekten seiner Entstehung ein einzigartiges Buch. Der Prolog von 101 Manuskriptseiten entstand über den Wolken, in Starbucks-Cafés in Kalifornien, in Hotelbars und Restaurants.

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Geschrieben wurde er von Robert Corvus und mir, während der Reise zum 76. Science-Fiction-WorldCon, der dieses Mal in San José abgehalten wurde, und in Seattle, rund um einen Besuch in der Zentrale Amazons. So waren also die Tage gefüllt mit Treffen mit berühmten Kollegen wie Tad Williams, Robert Silverberg, Peter Beagle oder George R. R. Martin und interessanten Vorträgen – und jede freie Minute drum herum wurde geschrieben. Dabei hat sich Robert den Spitznamen »die Peitsche« verdient, denn ohne sein »aufmunterndes« Zureden wäre dieses Pensum nicht zu schaffen gewesen. Und nicht, dass man mich hier falsch versteht: Ich bereue keine Sekunde dieser Reise, sie war von vorne bis hinten großartig und ich war unglaublich erleichtert, als auf dem Rückflug, 11.000 Meter über Grönland, die letzten Zeilen des Prologs fertig geworden sind.

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Bernhard Hennen

Zwischendrin gab es aber noch jede Menge anderes zu sehen. Das »Winchester-Haus«, eines der berühmtesten Geisterhäuser der Welt, die »Spheres« in Seattle, riesige Glaskugeln, mit einem »Urwald« im Inneren, die zum Amazon Bürokomplex gehören und neben jeder Menge Grün auch Platz für ein Café, Hängebrücken und Konferenzplattformen haben. Robert, als alter Shadowrun-Fan, musste natürlich auf die – auch nach 50 Jahren immer noch futuristisch wirkende – Space Needle, und wir waren im wunderbaren Chihuly-Glasmuseum, gleich daneben. Ganz zu schweigen von Ausflügen in exotischere Gegenden. Ich zitiere hier mal Robert während eines Besuchs in einem speziellen Restaurant in China Town, das recht düster und nur mit Kerzen beleuchtet war: »Ich glaube, wir sind hier in einer Animier-Bar gelandet.« Das war es nicht, aber das Essen war schon sehr … ähm … asiatisch.

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Bemerkenswert war auch unser Motel in San José. Mit seinem rosa Neonflamingo an der Front hatte es schon eine Optik, die bei allen, denen wir Fotos gezeigt haben, für »Verwunderung« sorgte. Aber auch hier war es so, dass die Zimmer nicht stundenweise zu mieten waren. Allerdings beunruhigte uns doch, dass die Tür eines Nachbarzimmers mit roten Warnschildern in unterschiedlichsten Sprachen versehen war, die dem Betrachter in fetten schwarzen Lettern UNSAFE entgegen schrien. Ein Anblick, bei dem mir der Kommentar meiner Tochter einfiel, als ich ihr vor der Reise Bilder der Unterkunft im Internet gezeigt hatte: »Das sieht aus wie eines dieser billigen Motels aus Road Movies, in denen bis zum Ende bestimmt einer stirbt.«

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Gestorben ist keiner. Ganz im Gegenteil. Voller Inspiration sitze ich wieder am Schreibtisch und weiß, dass Eindrücke dieser Reise in künftige Bücher einfließen werden.

Doch abgesehen vom Reisevergnügen galt es auch neue Inhalte für Das schwarze Auge zu erfinden. Wipfelschiffe, das war bislang nur wenig mehr als ein Wort in Aventurien. Es handelt sich um legendäre Schiffe, die einst von der versunkenen Hochkultur der Elfen auf Kiel gelegt wurden. Schiffe, die über die Wipfel von Bäumen hinweg gleiten. Ein solches Schiff steht im Mittelpunkt des Prologs und es ist wirklich anders. Vielleicht hat es sogar mehr Seele als die drei Gäste, die zu Besuch kommen. Doch lest selbst! ☺

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Robert Corvus

Als Freund der Schönheit bin ich während der Arbeit an Schlangengrab Aventuriens schönster Insel verfallen: Maraskan. Die Bruderschwestern mit ihrem scharfen Geschmack haben es mir angetan. Ich mag ihre Überzeugung, dass Schönheit etwas objektiv Erfassbares sei, und dass derjenige, der die Schönheit in etwas von Rur Erschaffenem nicht begreift, es schlicht noch nicht richtig verstanden hat.

Robert Corvus

Totenmeer bot mir die Möglichkeit, einen kleinen Nachschlag zu Maraskan zu liefern, sozusagen einen Abschiedsgruß zu formulieren. Denn Asleif Phileasson begibt sich noch nicht direkt in das riesige Tangfeld, wo zwei Meister mit einem rebellierenden Knecht um ein Artefakt streiten. Vielmehr nimmt er Quartier im Zufluchtsort seines Piratenfreundes Kodnas Han, auf der Insel Beskan, die zum maraskanischen Einflussgebiet zählt. So konnte ich noch einmal den Dschungel präsentieren – und vor allem die Eigenheiten dieses Völkchens, das man im übrigen Aventurien gern als »die Durchgeknallten« bezeichnet. Als eine von wenigen aventurischen Kulturen haben die Maraskaner kein direktes Vorbild in der irdischen Historie. Auch das macht sie für mich interessant – und ermöglicht unseren Leserinnen und Lesern eine Reise in ein Land, das keinem gleicht, das sie kennen mögen.

Phileassons und Beorns Route im sechsten Roman

Korallenbucht Sinoda Beskan Sargassomeer

Die Reiseführer durch die Welt eines Romans sind unsere Figuren, und besondere Bedeutung kommt dabei jenen zu, aus deren Perspektive wir die Geschichte erleben. Wir sehen durch ihre Augen, hören durch ihre Ohren, und manchmal lassen sie uns sogar an ihren Gedanken teilhaben. Befinden wir uns im Kopf des Täters oder des Opfers? Diese Entscheidung des Autors beeinflusst erheblich, wie eine Geschichte auf uns wirkt.

Shaya Lifgundsdottir, die Geweihte der Travia und Schiedsrichterin der Wettfahrt, hat diesen Dienst fünf Romane lang getreulich geleistet. In Schlangengrab habe ich ihr übel mitgespielt. Von daher könnte man meinen, ich wollte ihr eine Pause gönnen, indem ich die Perspektive von ihr fortnahm und Abdul el Mazar aufbürdete. Aber der wahre Grund ist ein anderer: Letztlich geht es immer darum, wie man die Geschichte am interessantesten erzählen kann. Shaya ist derzeit sehr damit beschäftigt, zu bewältigen, was ihr in Schlangengrab zugestoßen ist. Sie wird nicht aktiv voranschreiten, um sich dem Abenteuer im Totenmeer zu stellen. Abdul dagegen hat in Schlangengrab endgültig bewiesen, dass sehr viel mehr in ihm steckt, als nur ein verwirrter Geist. In seinem Innern sind Grenzen gefallen. Er hat Zugriff auf astrale Kräfte, die niemand versteht, weil sie sich dem menschlichen Begreifen entziehen. Zugleich lebt inmitten all seiner Wahnvorstellungen noch immer der geniale Geist, der Echsenforscher, der Dämonenbekämpfer, der Magier. Und der hat eine Vergangenheit, an die eine wichtige Begegnung in Totenmeer anknüpft. Dies einkleiden zu können in die kindliche Verwirrung, in die sich Abduls Seele nach der Folter im Himmelsturm geflüchtet hat, war eine schriftstellerische Option, die ich gern genutzt habe.

Überhaupt kommt der Figurenkonstellation in Totenmeer eine besondere Bedeutung zu. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu detailliert auf den Inhalt eingehen, um denjenigen, die den Roman noch nicht kennen, den Lesespaß nicht zu verderben. Diejenigen, die ihn bereits gelesen haben, werden wissen, was ich meine, wenn ich auf eine Dreierkonstellation anspiele, die von den restlichen Figuren isoliert längere Zeit gemeinsam verbringt und … »verhandelt«. Über Schuld und Rache, Gerechtigkeit und die Grenze des Mitleids. Nicht alle werden den mitunter (rechts-)philosophischen Ausführungen folgen wollen, in Teilen tue ich das selbst nicht. Es sind nicht meine Überzeugungen, die dort ausgebreitet werden, sondern jene der agierenden Figuren – weswegen es so wichtig ist, diese sorgfältig auszuwählen und auch die Perspektive mit Bedacht festzulegen.

Eine weitere Chance für uns war die Zusammenarbeit mit der Sternenträger-Kampagne, die bald als Abenteuerserie für Das schwarze Auge erscheinen soll – wie die Phileasson-Saga vor 25 Jahren. Hier können wir bereits einige Dinge in Totenmeer verwenden, die man wiedererkennen wird, wenn man die Rollenspielkampagne spielt. Durch solche Verknüpfungen wird das Netz einer fiktiven Welt dichter, fester. Das freut uns – denn wir alle lieben Aventurien, auch jenseits von seiner schönsten Insel.


Schlangengrab

Rosentempel