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Band XI

Hoch im Norden, am Quell eines Flusses,
wartet ein Mann dunklen Sinnes
im Tal der Träume.
Wenn ein Stern vom Himmel fällt
und Ingerimm die Erde erbeben lässt,
ist der Tag seiner Freiheit gekommen.
Doch braucht er Hilfe,
damit ihm die Freiheit auch zum Glück gereicht.

Elfenkönig


Zurück in Aventurien. Und nicht nur das: zurück in Thorwal!

Phileasson XI: Elfenkönig

Die Drachenführer steuern den Hafen an, in dem die große Reise ihren Anfang nahm. Dort sind sie zu Berühmtheiten geworden, ihre Heldentaten sind in aller Munde. Aber wieso entsprechen die Aufgaben, die sie gelöst haben, nicht jenen, die für diese Prüfung vorgesehen waren? Diese Frage beschäftigt den Obersten Hetmann. Er ruft zu einem Hjalding, um zu klären, ob die Wettfahrt fortgesetzt werden soll. Denn wenn eine fremde Macht über den König der Meere Einfluss auf Thorwal ausüben wollte, müsste er sein Land dagegen schützen.

So kommen Phileasson und Beorn zu einer unfreiwilligen Ruhepause. Sie machen ihre Drachenboote reisefertig, ergänzen Vorräte und Mannschaften, erneuern alte Freundschaften, lassen sich feiern. Und Beorn steht zu dem Versprechen, dass er Zidaine gegeben hat: sie zu heiraten, sobald sie wieder in Thorwal wären. Die auf den Nebelinseln erbeuteten Schätze sollen diese Verbindung zum größten Hochzeitsfest machen, das man je gesehen hat.

Doch Tylstyr, der Hellsichtmagier, erkennt eine Zukunft, die er unbedingt verhindern muss. Den Preis, den das Schicksal dafür fordert, ist in Blut zu entrichten.

Keinen Herzschlag lang vergessen die Drachenführer Adernaths Worte. Der letzte Gefährte des Elfenkönigs hat von einem Kerker berichtet, aus dem die Hoffnung seines Volks zu befreien ist … Wartet hier die elfte Aufgabe des Wettstreits?



Aus dem Schaffensprozess

Bernhard Hennen

Manche Bücher sind schwerer zu schreiben als andere. Die Phileasson-Saga XI: Elfenkönig war ein solches Buch für mich, und das aus vielerlei Gründen. Es beginnt mit dem Abschied von den Inseln im Nebel und der Rückkehr nach Thorwal. Wer meine Bücher kennt, der weiß, dass ich die Elfen liebe. Die erste Welt, die den Elfen gehört, die ich in meinem Leben erschaffen habe, zu verlassen, stimmte ein wenig wehmütig. Wahrscheinlich werde ich schreibend nie wieder dorthin zurückkehren. Und auch was die beiden Recken Beorn und Phileasson angeht, war deutlich zu spüren, dass Robert Corvus und ich nach sechs Jahren gemeinsamer Arbeit langsam auf die Zielgerade einbiegen. Das Phileasson-Projekt neigt sich unweigerlich dem Ende entgegen. Zudem stand an, ein Verhängnis in Szene zu setzen, das wir Jahre zuvor während einer Autofahrt bei einer Lesereise in Süddeutschland ausgetüftelt hatten. Seitdem haben wir darauf hingearbeitet. Noch ein Abschluss. Robert hat diese Stelle hervorragend umgesetzt und doch war es eine weitere Portion Wehmut, die mich beim Schreiben meiner Passagen hat langsamer werden lassen. Schon seltsam, wie sehr man nach Jahren mit manchen Personen verbunden sein kann, die nur auf Romanseiten existieren.

Bernhard Hennen

Und dann gab es noch einen heftigen Disput über Kitsch und Originalität. Zum ersten Mal hat Robert von seinem Recht auf ein Veto in einer Szene Gebrauch gemacht. Allzu schmalzig, allzu fantasielos, war das vernichtende Urteil zum romantischsten Augenblick, den Zidaine und Beorn bislang hatten. Und er hat sich durchgesetzt. Die Szene im Roman ist jetzt ganz sicher unkonventioneller. Aber dieser Ort hier sei genutzt, um die alternative Fassung zu präsentieren:


Zidaine trat neben ihm an die Reling. Sie hatte keinen Blick für den Sternenhimmel, sondern musterte aufmerksam den Hafen.

»Erinnerst du dich an Zorgan?«, fragte er leise. »Du hast mir dort eine Frage gestellt, und zu meiner Schande habe ich dir erst in Fasar die Antwort gegeben.«

»Und die Antwort lautet: ja. Ich würde dich heiraten. Du bist die eine. Tun wir es, sobald wir zurück in Thorwal sind. Ganz gleich, ob ich König der Meere werde oder nicht. Thorwal wird das rauschendste Hochzeitsfest sehen, das es dort je gegeben hat. Weniger wäre nicht genug für dich«, wiederholte Zidaine Wort für Wort, was er ihr damals gesagt hatte, als sie aufgebrochen war, um ihre Rache an Praioslob zu nehmen. »Aber jetzt … dieses Fest …«

Er legte seine Hand auf ihre Linke, die auf der Reling ruhte. »Das Fest ist nur ein Symbol. Es ist ein Zeichen für die anderen. Jeder in Thorwal soll wissen, dass du meine Frau bist. Wer sich gegen dich wendet oder auch nur gegen dich spricht, der fordert auch mich heraus.«

Sie drehte den Kopf und betrachtete ihn mit unergründlichem Blick. »Ich will keinen Segen der Geweihten.«

Beorn drückte ihre Hand. »Ich weiß. Wenn diese Wettfahrt endet, dann werden wir durch den Schatz wie Könige sein. Und Könige schulden ihrem Volk gelegentlich ein Spektakel, damit es nicht murrt. Dies wird unser erstes Spektakel, aber wie wir wirklich sind, werden sie nie auch nur ahnen. Sie kennen die Dunkelheit in uns nicht. Die Düsternis, die uns verbindet.«

Im kalten Sternenlicht sah er, wie Zidaine schluckte.

»Wir brauchen keine Geweihten, die uns mit salbungsvollen Worten aneinanderbinden.« Beorn tastete über sein Kettenhemd und fand die ausgebesserte Stelle aus dem Kampf im Turm des Schlangenkönigs. Notdürftig hatte er dort die genieteten Ringe mit zwei Stücken Draht wieder miteinander verbunden. Er zog den Draht aus dem geschwärzten Kettenhemd, als sich plötzlich Zidaines Augen verengten.

»Dort, zwischen den Pfählen des Bootsstegs …« Sie deutete auf den Anleger, an dem ein halbes Dutzend Nachen vertäut lagen. Flache Fischerkähne für den Fluss und die Küstengewässer.

Beorn sah dort nichts als Dunkelheit, während er den Draht bog. »Was hast du gesehen?«

Zidaine nahm die Hände von der Reling. Ihre Linke tastete nach dem Parierdolch. »Einen Schatten, der sich bewegt hat. Etwas im Wasser. Etwas Großes … es hat uns bemerkt, als du hinübergeschaut hast.«

»Wir sind in Thorwal, nicht irgendwo in der Wildnis. Hier kann uns so leicht nichts gefährlich werden. Vielleicht war es ein Walross. Sie kommen manchmal in den Hafen, wenn es dunkel ist …«

Sie entspannte sich nicht. Immer noch ruhte ihre Hand auf dem Dolch. Verdammte Schatten, dachte Beorn. Sie verderben alles. »Ich dachte mir, wir warten nicht …« Jetzt hatte er wieder ihre Aufmerksamkeit. Sie sah ihn fragend an.

»Warten?«

»Wir brauchen niemand anderes, der uns sagt, was wir sind.« Beorn kniete vor ihr nieder. »Willst du mein Weib sein, Zidaine Barazklah?«

Sie öffnete den Mund, sagte dann aber doch nichts.

Er hatte die beiden Drähte zu Spiralen gebogen. Jetzt griff er nach Zidaines Hand und schob ihr den eisernen Schmuck über den Ringfinger. »Du hast die Gelegenheit zu widersprechen verstreichen lassen«, sagte er grinsend. »Ich will dein Mann sein, der Schild an deiner Seite, das Langboot, das dich durch stürmische See trägt.«

Sie sah ihn skeptisch an. Beorn war diesen Augenblick oft in Gedanken durchgegangen und er hatte ihn sich anders vorgestellt. Zidaine war keine Frau, die ihm um den Hals fiel, in Tränen ausbrach oder ihn leidenschaftlich küsste, weil er ihr mitteilte, dass er auf immer mit ihr verbunden sein wollte. Aber nur ein skeptischer Blick … er hatte anderes erwartet, ohne benennen zu können, was.

»Ich …«, begann er restlos aus dem Konzept gebracht. »Ich habe mit anderen Frauen Kinder, wie du weißt, aber ich habe noch nie eine gebeten, mich zu heiraten. Weil …« Er zuckte resignierend mit den Achseln. Sie hatte sich Wort für Wort gemerkt, was er ihr gesagt hatte. Sein Heiratsversprechen. Es hatte ihr also etwas bedeutet. Wieso zeigte sie das jetzt nicht, als er sein Versprechen einlösen wollte?

»Warum bin ich anders als die Frauen, die deine Kinder unter ihrem Herzen getragen haben? Warum ich?«

Hatte er sie verletzt? Wollte sie so sein wie die anderen? So hatte er sie nie wahrgenommen. Sie war die düstere Fechterin, die Rächerin und die Verlässlichste in seiner Ottajasko. Sie war auf seinen Befehl mit Phileasson gezogen und war doch nie illoyal gewesen. Scheiß auf die schönen Worte, dachte er verzweifelt. Er würde ihr einfach die Wahrheit sagen! »Ich liebe dich, weil du meine Dunkelheit mit mir teilst, weil ich mich dir nie erklären muss und du nicht versuchst, mich zu verändern. So lange schon …«

Zidaine kniete nieder, nahm ihm den zweiten Ring aus der Hand und steckte ihm an. »Binden wir mit Eisen, was längst schon verbunden ist.« Im kalten Sternenlicht wirkte ihr blasses Antlitz noch härter als sonst. Ihre schmalen Lippen erschienen Beorn blutleer. Und dennoch besaß sie eine Schönheit für ihn, die keine Elfe je erlangen würde. Sie war wie der Norden! Spröde und kalt, geschmiedet von einem unerbittlichen Schicksal. Eine, die man niemals biegen könnte, nur brechen. Sie war die Richtige!

»Wollen wir die Nacht auf den Knien verbringen oder uns ein Zimmer in einer Schenke nehmen, um dort den anderen Gästen für den Rest der Nacht mit unserer Leidenschaft den Schlaf zu rauben?« Sie lächelte schief, berechnend und doch auch ehrlich.

Beorn ergriff ihre Rechte, so fest wie sein Schwert in der Schlacht. »Gehen wir! Erst in die Schenke und dann bis ans Ende der Welt!«


Große Fantasywelten wie Aventurien können nur dann funktionieren, wenn sich alle, die an ihnen mitarbeiten, darin einig sind, dass das Shared-World-Prinzip gilt. Das heißt, alles, was man schreibt, wird künftig allen anderen, die neue Stoffe entwickeln, zur Verfügung stehen. Ohne Wenn und Aber! Daraus entstehen fantastische neue Geschichten. Viele Figuren der Phileasson-Saga haben in den mehr als drei Jahrzehnten, die seit dem Erscheinen der Rollenspielabenteuer vergangen sind, einen festen Platz in Aventurien gefunden. So hat zum Beispiel die Kollegin Mháire Stritter eine Roman-Trilogie um Pardona verfasst und im Rollenspiel entstand die Sternenträger-Kampagne, in der viele Schauplätze der Phileasson-Saga eine große Rolle spielen. Und das sind nur zwei Beispiele aus den letzten Jahren.

Manchmal jedoch nehmen Figuren einen Weg, der ihrem Schöpfer nicht gefällt, und damit fand ich mich im letzten Teil des Romans konfrontiert. Beorn hat in der Zeitschiene, die es abzuhandeln galt, einen Mord begangen, der ihm nach dem Erscheinen der Rollenspielabenteuer in seine Biografie geschrieben wurde. Nun ist Beorn wahrlich nicht zimperlich, Morde sind für ihn jederzeit eine Option. Aber nicht auf diese Art. Was ich da im Roman einfangen musste, ging mir zutiefst gegen den Strich. Ich habe mich bemüht, dass Ereignis mit einer Vorgeschichte aufzubauen, ich habe den eigentlichen Mord so gut es ging umgestrickt und dennoch ist es eine Tat, die zu dem Beorn, den ich in den letzten sechs Jahren auf Hunderten Romanseiten aufgebaut habe, nicht passt. Sollten Sie sich beim Lesen also gewundert haben, wissen Sie nun, wo es herkommt.

Doch genug lamentiert. Alle Klippen sind umschifft und die Recken und Schildmaiden stehen bereit für das letzte große Abenteuer der Saga. Robert sitzt bereits an seinem Teil des Buches, ich werde im August hinzukommen und bis zum Ende des Jahres sollte der Roman geschrieben sein. Erscheinen wird er dann im Sommer 2023. Das wohl!

Robert Corvus

Schon bevor die Oberste Hetfrau unsere Helden auf die Reise schickte, um den Titel König der Meere zu erringen, war Asleif Phileasson der größte Entdecker seiner Zeit. Sein Ruhm gründete auf Fahrten ins Feuermeer und zur Insel der Riesin Yumuda, vor allem aber auf der zweimaligen Überquerung des Meers der Sieben Winde. Er hat das sagenhafte Güldenland bereist, die Heimat der Hjaldinger. Von dort brachte er das grüne Drachenhaupt mit der dreiäugigen Eisenmaske mit, das seitdem den Vordersteven seiner Seeadler schmückt.

Robert Corvus

Myranor, wie die Einheimischen das Güldenland nennen, sollte der Schauplatz des Prologs sein, der dem Foggwulf weitere Tiefe gibt. Und das bedeutete für mich: viel Recherche, denn dort ist alles anders.

Als 1990 die Abenteuerkampagne Die Phileasson-Saga erschien, war das Güldenland kaum mehr als ein Begriff. Das hat sich gründlich geändert. Myranor wurde ein weiteres Setting unter dem Dach des Rollenspiels Das schwarze Auge. Heute gibt es viele Regel-, Quellen- und Abenteuerbände, sogar einige Romane und eine Anthologie, die sich dieser Weltengegend widmen. Die Herrschaft der Optimaten mit ihren dreiäugigen Masken wird darin erklärt, der Aufbau des riesigen Imperiums, seine fantastischen Völkerschaften mit den geflügelten Ashariel, den katzenartigen Amaunir und den vierarmigen Neristu, um nur einige zu nennen. Diese Buntheit wollte ich in Szene setzen – und dazu den Erwerb des grünen Drachenhaupts als Motivation für Phileasson verwenden. So kam die wilde Jagd durch Daranel zustande. Zur Recherche habe ich die vorhandenen Myranor-Romane und die Anthologie nochmals gelesen und Rollenspielmaterial ausgiebig gewälzt.

Phileassons und Beorns Route im elften Roman

Tal der Traäume Parkauki Enqui Olport Tjoila Stadt Thorwal Dorf Stainakr

Zugleich wollte ich eine Figur aus Bernhards Trilogie Das Jahr des Greifen aufnehmen, nämlich Phileassons Base Ragnild, die Wettermagierin. Aus Konsistenzgründen muss sie zum Zeitpunkt dieser Reise recht jung gewesen sein, was mich auf den Gedanken brachte, ihre erste Abenteuerfahrt zu schildern. Das ergibt einen schönen Kontrast – hier der erfahrene Abenteurer, den auch unsere Leserschaft bereits aus zehn dicken Romanen kennt, und dort die junge Zauberin, für die noch alles neu und frisch ist.

Auch die Rollenspielredaktion hatte Wünsche für ein Motiv, das in diesem Prolog verankert werden sollte. Aber welches das ist … das zu entdecken überlasse ich gern den Schildmaiden und Recken, die sich auf die abenteuerliche Reise zum Elfenkönig begeben.

Die Anhänge

Wer sich das Glossar und das Dramatis Personae ausdrucken möchte, um sie immer griffbereit zu haben, wird hier fündig.

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